Inklusion zwischen Hilfe und Kontrolle

Zur Ambivalenz inklusiver Bemühungen im Bereich der beruflichen Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten

Kein Schlagwort hat in den letzten Jahren den gesellschaftlichen, (sozial-)politischen und vor allem pädagogischen Umgang mit Menschen mit Behinderung so sehr geprägt wie der Begriff der „Inklusion“. Spätestens mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung lässt sich ein grundlegender Wandel von der Ausgrenzung, Isolierung und Pathologisierung der Betroffenen, hin zu „Selbstbestimmung“, „Teilhabe“ und „Personenzentrierung“ beobachten.

Auffallend ist, dass sich die – bezeichnender Weise überwiegend von nicht- behinderten Wissenschaftler*innen geführte – Debatte um den mittlerweile geradezu inflationär gebrauchten Inklusionsbegriff vor allem um die Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit der (schnellen und effizienten) Umsetzung des inklusiven Glücksversprechens im Bestehenden dreht. Eine (ideologie-)kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Inklusionsbestrebungen scheint nach wie vor nicht stattzufinden.

Der Vortrag möchte die Janusköpfigkeit des Inklusionsideals näher beleuchten, beschränkt sich hierzu allerdings exemplarisch auf den Bereich der beruflichen Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Im Hinblick auf die konkreten Lebensverhältnisse der Betroffenen geht es darum, aufzuzeigen, inwieweit sich in den Inklusionsbemühungen Potenziale gerechterer Lebens- und Arbeitsbedingungen für Menschen mit Behinderung erkennen lassen. Gleichzeitig muss die die vorherrschende Umsetzung des Inklusionsgedankens im Hinblick auf ihre Funktion bei der Reproduktion gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse kritisch hinterfragt werden.

Vor dem Hintergrund einer Wirtschaftsordnung, die von Individualisier- ung, Flexibilisierung und Eigenverantwortlichkeit geprägt ist, erscheinen pädagogische und sozialstaatliche Anstrengungen zur Umsetzung der Inklusionsforderungen weniger als emanzipatorische Hilfskonzepte, denn als Mittel zur Unterwerfung behinderter Menschen unter die aktuelle Form kapitalistischer Verwertungszwänge.Robert Scheuring lebt in Bamberg und ist dort als Diplompädagoge in der offenen Jugendarbeit und als Wildkräuterpädagoge tätig.

Nach langjähriger Erfahrung in der „offenen Behindertenarbeit“ und im Bereich des „ambulanten Wohnens für Menschen mit Behinderung“ setzte er sich zuletzt in seiner Diplomarbeit und mit einem Artikel im „Distanz Magazin“ (Ausgabe 2015) mit dem oben genannten Thema auseinander.

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